Was ist ein Keratokonus?

Der Keratokonus ist eine zumeist auf beiden Augen (80-85%) auftretende, nicht entzündliche Hornhauterkrankung. Diese Erkrankung geht einher mit einer zunehmenden kegelförmigen Vorwölbung der Hornhaut sowie mit einer Abnahme der Hornhautdicke.
Dabei beginnt der Keratokonus oft einseitig und auch unterschiedlich schnell. Das Verhältnis beträgt 1/2000 in der Gesamtbevölkerung. Die Häufigkeit ist aber regional sehr unterschiedlich. Man geht heute davon aus, dass Männer und Frauen gleichermaßen betroffen sind.
Typischerweise beginnt der Keratokonus in der Pubertät und schreitet dann bei ca. 20% aller Keratokonuspatienten soweit voran, dass eine Hornhauttransplantation wegen einer Vernarbung oder einer irregulären Verkrümmung durchgeführt werden muss.

Was merken die Patienten?

Beim Keratokonus kommt es zu einer vermehrten Auswölbung und Vorwölbung der Hornhaut. Da die Hornhaut ein wichtiger Bestandteil der Optik des Auges ist, entsteht dadurch eine Reihe verschiedener Symptome: diese umfassen Schwankungen in der Sehschärfe, eine Abnahme der Sehschärfe trotz Korrektur mit Brillenglas oder Kontaktlinse, das Wahrnehmen von Lichtringen um Leuchtquellen (“Halos”) sowie eine erhöhte Lichtempfindlichkeit und Blendung.
Die Sehschärfe nimmt innerhalb von 7 Jahren bei bis zu 30% der Betroffenen um 20% oder mehr ab.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

• Brille
• Kontaktlinsen
• intrastromale Ringsegmente
• Hornhautvernetzung („collagen cross-linking“, CCL = Hornhautstabilisierung mit Riboflavin und UV-Licht)
und Keratoplastik ( Hornhautverpflanzung)

Was ist die Hornhautvernetzung oder die Kollagenvernetzung mit Riboflavin und UVA-Licht?

Beim Keratokonus ist die Hornhautfestigkeit verringert, wodurch es zu einem Hervorwölben der Hornhaut kommt mit der Folge einer Verschlechterung der optischen Abbildungseigenschaften. Eine Reduzierung der Vernetzungen der Kollagenfasern wird unter anderem als Ursache beim Keratokonus diskutiert. Das Ziel der Hornhautquervernetzung besteht in der künstlichen Erhöhung des Grades der Vernetzungen im Hornhautstroma, um so eine ausreichende mechanische Stabilität zu erzielen.

Welche Vorteile hat die Hornhautvernetzung (CCL)?

• einfach durchführbar
• sicher handhabbar
• kurze Therapiezeit
• keine Toxizität bekannt
• unveränderte Hornhauttransparenz
• andere Optionen, wie die Hornhauttransplantation, bleiben offen

Wie verläuft die Operation (CCL)?

Die Behandlung des Keratokonus wird ambulant unter lokaler Tropfanästhesie durchgeführt.
Vor der Bestrahlung muss das Epithel mechanisch entfernt werden. Diese Epithelabrasio ist notwendig, weil Riboflavin das Epithel nicht durchdringt und damit nicht ins Stroma gelangt. Des Weiteren dient das Epithel physiologisch als UV-Schutz und würde einen Großteil der UV-Energie absorbieren, die jedoch ins Stroma gelangen soll. Nach (teilweiser) Entfernung des Epithels wir Riboflavinlösung auf die Hornhaut alle 2 Minuten getropft, bis diese bei einer Kontrolle an der Spaltlampe ganz durchtränkt ist.
Als UV-Strahlungsquelle wird ein spezielles CE-zertifiziertes Gerät (UV-X Bestrahlungsystem Version 1000, IROC AG, Schweiz) verwendet, das eine Bestrahlungsstärke von 3 mW/cm_ in 5 cm Entfernung mittels Leuchtdioden liefert.
Die Konzentration der Riboflavinlösung von 0,1 % wurde so gewählt, dass in der Hornhaut 95 % der UV-Strahlung absorbiert werden. Während der Bestrahlungszeit von 30 Minuten wird im Intervall von 2 Minuten Riboflavinlösung in die Lidspalte getropft, um ein Austrocknen der Hornhaut zu vermeiden und um die notwendige Absorption in der Hornhaut aufrecht zu erhalten.
Alle Parameter (Bestrahlungsstärke, Bestrahlungszeit und Riboflavinkonzentration) sind experimentell und tierexperimentell getestet und haben sich in der klinischen Praxis an einigen Tausend Patienten bewährt.

Wie sind die Ergebnisse?

Bisher sind weltweit erst einige Tausend Patienten mit dieser Therapiemöglichkeit behandelt worden. Bei keinem Patienten ist bisher nach dem Stand der Publikationen eine Hornhauttransplantation nach Quervernetzung nötig geworden (Nachbeobachtungszeit 1-72 Monate). Es waren keine Nebenwirkungen wie Linsentrübungen oder Endothelzellverlust nachweisbar. Lediglich in den ersten 2 bis 3 Monaten nach der Vernetzung war eine oberflächliche Hornhauttrübung im Sinne eines diskreten Haze sichtbar. In der Regel heilt diese zarte Trübung ohne Therapie ab, es kann aber auch unterstützend mit einer Salbentherapie (pflegende Substanzen) oder mit einem schwach wirksamen Steroid (z. B. Fluoropos AT oder Vexol) behandelt werden.

Was ist der Sinn und das Ziel der Vernetzungsoperation?

Ziel der Operation ist es, die Vorwölbung der Hornhaut zu stabilisieren oder ein weiteres Voranschreiten und Verschlechterung der Erkrankung aufzuhalten und zu stoppen. Die Erkrankung kann also nicht rückgängig gemacht, sondern im besten Fall “eingefroren” werden. Über den bisherigen Nachbeobachtungszeitraum von 6 Jahren konnte für alle vernetzten Hornhäute eine Stabilisierung erreicht und das Voranschreiten des Keratokonus gestoppt werden. Es ist jedoch nach heutigem Wissenstand davon auszugehen, dass die Verfestigung der Hornhaut kein lebenslanger Effekt ist. Dieser Vermutung zugrunde liegend ist die Beobachtung, dass bei hornhauttransplantierten Patienten der Keratokonus nach circa 10 bis 20 Jahren auch auf das Transplantat übergreift. Bei einem erneuten Voranschreiten des Keratokonus nach Jahren kann dann jedoch eine wiederholte Vernetzungsoperation erfolgen. Sollte zudem später aus irgendwelchen Gründen eine Hornhaut- Verpflanzung notwendig werden, so kann diese jederzeit durchgeführt werden.

Was bemerkt der Patient nach der Operation?

Durch die Operation ist ein Teil der Hornhautoberfläche offen. Dies verursacht zum Teil starke Schmerzen, was nach dieser Art von Operation normal ist. Lassen Sie sich durch die Schmerzen also nicht beunruhigen. Sie klingen langsam ab und sind in der Regel nach circa 48 Stunden praktisch verschwunden. Wir werden Ihnen Schmerzmittel mitgeben. Zudem werden wir eine weiche Verbandslinse auf das Auge aufbringen, die die Schmerzen zusätzlich lindert. Diese wird nach zirka 4 Tagen entfernt werden. An den ersten Tagen nach der Operation führen wir täglich Kontrollen durch.

Was sollten Sie für den weiteren Verlauf wissen?

Ihr Auge wird ca. 2 Wochen deutlich gerötet bleiben. Dies ist normal und sollte Sie nicht beunruhigen. Ein Kratzen, Brennen und ein Fremdkörpergefühl können während 2-3 Monaten andauern. Zur Linderung der Beschwerden verschreiben wir Ihnen künstliche Tränen, welche Sie beliebig oft anwenden können. In den ersten 6 bis 8 Wochen nach der Operation kann die Sicht verschwommener sein als zuvor. Nach dieser Zeit werden Sie in der Regel die gleiche oder eine bessere Sehschärfe haben als vor der Operation. Blendung durch helles Licht kann in den ersten Wochen nach der Operation ausgeprägt sein.
Sobald die Hornhautoberfläche nach 2 bis 3 Tagen vollständig zugeheilt ist, können Sie Ihren Alltagsbeschäftigungen wie Sport, Autofahren oder Lesen wieder wie gewohnt nachkommen. Aufgrund der vermehrten Blendung und der schwankenden Sehschärfe in den ersten Wochen kann dies jedoch ungewohnt anstrengend sein. Lassen sie sich davon nicht verunsichern, da es sich um einen vorübergehenden Effekt handelt.
Die ersten Kontaktlinsentrageversuche sollten Sie frühestens nach 4 Wochen starten. Die Anpassung neuer Kontaktlinsen oder einer neuen Brille sollte ebenfalls nicht früher erfolgen. Es kann sogar noch bis zu einem Vierteljahr dauern, bis die Brillenwerte sich durch die Änderung der Hornhautkrümmung stabilisiert haben und eine erneute Anpassung erfolgen kann.